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TV Komm. 2014: Fernsehen auf allen Wegen

Was früher eine Besonderheit war, wird jetzt selbstverständlich: Die Zuschauer entscheiden, auf welchen Wegen und Geräten sie Fernsehinhalte sehen wollen. Dieser Wandel wurde deutlich auf dem Medienkongress TV Komm. 2014, der am 25. Februar in Karlsruhe stattfand.

Angetrieben wird die Entwicklung durch die steigenden Verkaufszahlen von Smartphones und Tablet-PCs, die immer mehr zum TV- und Video-Konsum genutzt werden, wie Michael Schidlack (BITKOM) in seiner Eröffnungsrede erläuterte. Der Branchenverband erwartet, dass in diesem Jahr 9,5 Millionen Tablet-PCs in Deutschland verkauft werden - ein neuer Rekord. Die Kleincomputer überrunden damit den TV-Absatz, der 2014 auf 7,8 Millionen verkaufte Geräte zurückgeht. Auch der Smartphone-Boom setzt sich mit fast 30 Millionen verkauften Geräten fort. Abrufinhalte werden immer wichtiger: Schidlack geht davon aus, dass die Zuschauer beim Einschalten der Bildschirme auf der Startseite künftig zuerst die On-Demand-Angebote sehen werden, während das klassische lineare Fernsehen nur eine Option darstellt.

Wie die Branche mit dem Wandel umgeht, war zentrales Thema der Diskussionsrunde unter der Moderation von Hans-Peter Siebenhaar (Handelsblatt). Ein Beispiel lieferte Susanne Aigner-Drews (Discovery Communications): Der US-Medienkonzern startet seinen Frauenkanal TLC in Deutschland am 10. April 2014 nicht als reinen TV-Sender, sondern als multimediales Angebot, das lineare und nicht lineare Elemente umfasst und auf verschiedenen Wegen zum Publikum gelangt. Die Webseite www.tlc.de, die schon jetzt einen Vorgeschmack auf das Programm gibt, wird einen umfangreichen Catch-up-Dienst enthalten, außerdem ist der Sender bei Facebook und Twitter vertreten. Geplant ist auch ein Smart-TV-Angebot. Seine herausragende Funktion als Leuchtturm wird das Fernsehen allerdings auch künftig nicht verlieren, ist sich Stephan Zech (Axel Springer Digital TV Guide) sicher, es werde allerdings zunehmend von Abrufdiensten begleitet. Nach Ansicht von Alexander Mazzara (joiz) kann das klassische Fernsehen vor allem bei Live-Events seine Stärke ausspielen.

Inhalte werden künftig mehr in den Vordergrund rücken, erwartet Claus Grewenig (VPRT), während die Frage, über welches Endgeräte sie gesehen werden, zweitrangig werde. Wichtig sei es für die Sender daher, dass ihre Auffindbarkeit gewährleistet sei. Die Medienaufsicht sei sich der zentralen Bedeutung dieses Themas bewusst, sagte Thomas Langheinrich (LFK). Allerdings hinke der Gesetzgeber der technischen Entwicklung hinterher. Ein Problem sei, dass die TV-Gerätehersteller jetzt die Macht übernähmen, die früher die Infrastrukturbetreiber gehabt hätten, etwa bei der Aufnahme und Platzierung von Apps in den Medienportalen der Smart-TV-Fernseher. Sie könnten Angebote ausgrenzen und damit verhindern, dass sie gefunden werden, gibt Langheinrich zu bedenken. Dies sei eine Herausforderung für die Regulierer. Grewenig findet es "erschreckend", dass die Diskussion über Zugangs- und Vielfaltssicherung seit Jahren laufe, aber bislang wenig passiert sei.

Im Gegensatz dazu gibt es Bereiche, die überreguliert sind, beklagte Lutz Schüler (Unitymedia). Die Videoportale, die RTL und ProSiebenSat.1 (Amazonas) sowie ARD und ZDF (Germany's Gold) als deutsche Antworten auf Hulu und Netflix geplant hatten, seien vom Bundeskartellamt blockiert worden - zum Vorteil für ausländische Anbieter wie Amazon oder Watchever. Jetzt warteten alle darauf, "dass Netflix nach Deutschland kommt und alles plattmacht". "Wir sollten uns nicht zu Tode regulieren", warnte Schüler. Simin Lange (Sky) ist sich sicher, dass Netflix kommen wird - und zwar "schneller als wir denken". Sie rechne mit Herbst 2014. Allerdings sieht Lange den US-Anbieter weniger als Konkurrenten, sondern eher als Chance, dem Video-on-Demand-Markt in Deutschland weiteren Auftrieb zu geben. Dies werde auch den von Sky betriebenen Abrufdiensten Sky Go und Snap zugutekommen.

Ein Beispiel für ein konvergentes Angebot, das von Anfang an lineare und nicht lineare Inhalte verbindet, lieferte Ulrich Rath (Eutelsat), der die neue Plattform "Mein Fernsehen" vorstellte. Das Angebot, das der Satellitenbetreiber zur Fachmesse ANGA COM im Mai 2014 für Stadtnetz- und Glasfasernetzbetreiber einführen will, umfasst rund 150 TV-Sender in herkömmlicher und hoher Bildauflösung, Abrufinhalte und eine Multiscreen-Anbindung an Tablet-PCs und Smartphones. Der Clou: Der elektronische Programmführer (EPG) ermöglicht, das TV-Programm bis zu sieben Tage rückwirkend anzusehen. Von den meisten Sendern habe man bereits die entsprechenden Rechte, sagte Rath, mit den anderen werde noch verhandelt. Eutelsat ist damit der erste große Anbieter, der eine TV-Replay-Funktion in Deutschland einführt.

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